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Hochmoselübergang B 50neu
(Forschungsanstalt Agroscope Changins-Wädenswil ACW) Cadenazzo, 09.02.2010
Beim Auftreten eines neuen Schädlings will man immer dessen Schädlichkeit erforschen, um zu wissen, wie man darauf reagieren soll: Dieser Kleinfalter, der ausgewachsen 3 mm lang ist, bringt in Italien drei bis vier Generationen im Jahr hervor. Die Raupen fressen sich durch das Blattgewebe und legen so lange Miniergänge an, die oft parallel zur Blattspreite verlaufen. Auf einem Blatt können zahlreiche Gänge beobachtet werden (siehe Abbildung). Die ersten Schäden werden Mitte Mai sichtbar und nehmen im Sommer stark zu, wobei dann beinahe das ganze Laub der befallenen Stöcke betroffen ist. Von einem vorzeitigen Abfall des Laubes wurde aber nie berichtet. Starker Befall bleibt lokal beschränkt und kommmt nicht oft vor. Trotz dieser auffälligen Schäden wird die amerikanische Miniermotte der Rebe als ein Schädling betrachtet, gegen den nur selten direkte Bekämpfungsmassnahmen ergriffen werden müssen. Deswegen wird sie als sekundärer Schädling eingestuft.
Man muss aber wachsam bleiben. Heute ist es noch schwierig zu beurteilen, ob diese Miniermotte im Tessin beschränkte Auswirkungen haben wird, wie es in gewissen italienischen Rebbaugebieten der Fall ist, oder ob im Gegenteil starker Befall zu erwarten ist. Der Befallsdruck und die Intensität der Schäden hängen von zahlreichen Faktoren ab, die zwischen den Regionen stark variieren.
Dieser Schädling breitet sich in der Schweiz nur langsam aus, was den ACW-Experten Zeit lässt, seine eigentliche Schädlichkeit in unseren Gegenden besser zu beurteilen. Aus diesem Grund wird die Forschungsanstalt Agroscope Changins-Wädenswil ACW in den kommenden Jahren die Entwicklung der Populationsdynamik dieses Schädlings verfolgen, insbesondere die Blattschäden, die er verursacht, sowie seinen Einfluss auf die Traubenqualität und seine Ausbreitung in den Tessiner Rebbaugebieten.
Die chemische Bekämpfung könnte sich - sofern nötig - als kritisch erweisen. Besonders aufgrund des Lebenszyklus (siehe Abschnitt Lebenszyklus weiter unten) und des Verhaltens dieser Miniermotte ist die Anwendung solcher Produkte bedenklich. Die Angaben, die der Literatur in Bezug auf ein mögliches Bekämpfungskonzept entnommen werden können, sind äusserst spärlich. Daraus wird ersichtlich, dass es heute in der Schweiz kein spezifisches, zugelassenes Produkt gibt. Die in Italien gemachten Erfahrungen zeigen, dass Phosphorester, die gegen Scaphoideus titanus, den Überträger der Goldgelben Vergilbung der Rebe, sowie gegen andere Schädlinge (grüne Rebzikade und Traubenwickler) eingesetzt werden, diese Motte nicht unter Kontrolle halten konnten.
In Italien durchgeführte Versuche haben gezeigt, dass einheimische Hautflügler die Larven dieser Miniermotte parasitieren. Der Paratisierungsgrad war aber nicht hoch genug, um die Populationsdichte und somit den Befall signifikant zu senken. Diese Art biologischer Kontrolle braucht nicht nur Zeit, sondern auch eine korrekte Pflege des Ökosystems Rebberg, d. h. eine Erhöhung seiner biologischen Vielfalt und eine angepasste Umsetzung von Bekämpfungsmassnahmen gegen die anderen Schädlinge.
Die ausgewachsene Motte ist ein etwa 3 mm langer, silbrig-weisser Falter mit je einem schwarzen kleinen Flügelband. Den Winter verbringt sie in Diapause unter der Rinde eines Rebstockes. Im Frühling legt die überwinternde Population die Eier auf die ersten entfalteten Blätter. Die ersten Miniergänge sind bereits im Mai sichtbar. Diese Gänge enthalten weissliche, fusslose und abgeflachte Larven, die fünf Entwicklungstadien durchlaufen und sich durch das Blattparenchym hindurchfressen. Am Ende ihrer Entwicklung verpuppen sie sich. Die bräunlichen Puppen bleiben anschliessend tief im gebohrten Miniergang versteckt. Es folgen drei Generationen, und im Herbst findet ein grosser und lang anhaltender Flug der ausgewachsenen Tiere statt.
Der Wein ist geschaffen, daß er die Menschen soll fröhlich machen.
(Sirach 31,34)